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Abgesang auf die Deutsche Demokratische Republik
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Ich lese: „Notes to John“ von Joan Didion.
Ins Zentrum vordringen.
Man muss ins Drachennest vordringen, an den Glutkern.
Nicht, um das Feuer zu löschen, sondern um zu verstehen, wie es brennt.
Die Unfähigkeit, sich nicht sich selbst zu stellen erzeugt sich wiederholende Versuche, Kontrolle über Symptomkomplexe zu erlangen.
Kontrolle über das, was sich kontrollieren lässt.
Ich schätze die emotionale Distanz in Didions Schreiben. Sie abstrahiert. Ich könnte niemanden lesen, der mit einem “ Fieberthermometer herumläuft und ständig die emotionale Betriebstemperatur des Gegenübers misst.“
Sie schreibt, dass sie das tut. Aber das Gefühl der Angst ist formatiert
Sie setzt das Puzzle im Palast der Schneekönigin zusammen.
Sie ist Kai.
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Die Hyäne war los.
Mit gesträubtem Fell galoppierte sie nach Osten.
„Sie mag kein Gelb“, sagte Marian Leatherby lakonisch.
Sie hatte es sich in meinem Strandmomsessel gemütlich gemacht und beklagte sich, dass ich mich partout weigerte, am Umtrunk teilzunehmen.
„Die Fliegen essen mich bei lebendigem Leib“, knurrte sie und
nahm einen Schluck aus dem Senfglas – ein Fortschritt wenn man an die Wärmflasche dachte.
„Marian Leatherby“, sagte ich streng, „hol sofort diese Furie zurück.
Gelb existierte schliesslich nur in dieser Zeitschrift und ist auch dort nur ein Gerücht. Das muss dieses Untier aushalten. Sonst kommt es auf die rote Liste. Und ehrlich, das kann keiner wollen.“
“ Ich kann dich nicht hören“, sagte Marian. „Hab mein Hörrohr verlegt.
Hättest dem Vieh eben ein Schluck Portwein geben sollen, dann würde es jetzt auf meinen Füßen liegen und die Wärmflasche ersetzen.
Die Standuhr tickte. Die Alte erhob sich ächzend und schlug meine Zeitung zu.
Die Hyäne schlief vor der Balkontür. Ihre Flanken hoben und senkten sich. Das zum Kamm aufgestellte Fell roch nach alten Gummistiefeln.
Das Tier grunzte im Schlaf, als hätte es den Galopp nicht gegeben.
Nur ein Hall des Trabens blieb in meinem Kopf zurück.
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https://share.google/LaNEwKijFT68sM5Hc
Der runde goldgelbe Mond schien auf den Balkon. Das Tarot zeigte Eins der Münzen. Ich legte einen Mondstein in die silbernen Strahlen La Lunas.
Grillen zirpten, Graugänse riefen heiser meinen Namen. Die Tage werden kürzer. Die Moiren weben am Altweibersommer.
Immer ist der erste Hauch des Herbstes mit Glück verbunden
Mir begegnete Seraphine, die als Zugehfrau ihr Geld verdiente. Und abends wenn sie nach Hause kam, eine Kerze anzündete und malte. ( Link oben)
Ich las Bakers Wanderfalke. Ein gleichsam reales wie surreales Buch in dem ein Mann sich transformiert.
Krähen und Raben am Morgen im Gespräch. Die Mauersegler sind weiter gezogen, als wüssten sie, dass der Sommer sich bereits langsam verabschiedete.
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hr2-Frühkritik: Eine Malerin entdeckt den Surrealismus | „Leonora im Morgenlicht“ – Film von Thorsten Klein und Lena Vurma – Audio | hr2.de | Podcasts https://share.google/p6hwYBn5SlcnijG1y
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Zahnlos stand sie am Tresen des alten Kinos. Ich hätte sie überall wiedererkannt. Sie trank Portwein, den sie eingeschmuggelt hatte und war mit dem Barkeeper in ein Gespräch vertieft.

Sie redete laut. Wenn der Barkeeper antwortete, legte sie manchmal ihr Hörrohr aus Büffelhorn ans Ohr. Sie hört nicht gut. Hörgeräte und Zahnprothesen lehnt sie ab.
“ Guten Abend“, Marian Leatherby.“
Die Hyäne zu ihren Füßen irritierte mich.
“ Gehört Leonora“, sagte sie und dachte in sich versunken nach.
“ Wir haben mal Portwein aus Wärmflaschen getrunken oder?“
„Ja“, sagte ich. „Du hattest mir von diesem dubiosen Altersheim: Bruderschaft zur Quelle des Lichts“ erzählt- der Revolution, und der Eiszeit die anbrach.“
“ Turbulente Zeiten“, murmelte sie.
Und setzte hinzu:
“ Eiszeitalter vergehen, und obwohl die Welt zur Zeit überfroren wird, glauben wir, daß der Tag kommen wird an dem wieder Gras und Blumen wachsen. „
„Das sagtest du damals schon.“
Marian nahm die Hyäne, ihr Hörrohr, den Portwein. “ Ich kann dir was abnehmen Marian.“
Sie wehrte ab.
“ Leonora im Morgenlicht“ murmelte sie. Ihr Tonfall ließ sich nicht deuten.
Die Lichter im Kinosaal dimmten. Der Portwein mäanderte durch meine Adern, als hätte ich ihn selbst getrunken.
Das Fell der Hyäne roch nach alten Gummistiefeln.
Ihr Geruch vermischte sich mit dem Duft von Popcorn.
Jemand überlegte laut, ob er seinen Norwegerpullover ausziehen solle. Marian nestelte an ihrer Katzenhaarweste. (Sie hatte über Jahre ihrer Katze das Fell gebürstet und die Haare sorgsam aufbewahrt.)
Ich versuchte mich auf die Leinwand zu konzentrieren, um den Sog zu entkommen.
Eine junge Frau. Wild. Eigenwillig. Frei.
( Text bezieht sich auf: Das Hörrohr“ von Leonora Carrington und den Film
„Leonora im Morgenlicht“
