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Die Unmöglichkeit seine Geschichte aufzuschreiben, weil sich nicht herausfinden lässt wie sie gewesen ist.
Manchmal, weckt etwas eine Erinnerung an ihn. Und ich versinke in Gedanken und imaginären Gesprächen.
Hörst du mich?
: du bist mir eine gottverdammte Antwort schuldig.
Warum zur Hölle?
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In der Nacht ein halber Mond.
Hängt schräg über der Hafenstadt. Ein rotgoldenes Ahornblatt wehte mir vor die Füße. Ich hob es auf, betrachtete es, gab es dann dem Wind zurück. Er trug es über die Förde und setzte es auf einer Jolle ab.
Der Wind erzählte Geschichten von unterirdischen Städten; und Booten, die zwischen Asien und Europa hin und herpendelten, erzählte von der Sehnsucht Nazim Hikmet’s ( Leben einzeln und frei) und winzigen Teegläsern.
Einmal kaufte ich einen Egmektisch und brachte die Flughafenschalterbeamtin damit zum lachen. ( 2001)
Der Mensch ist aus Brot, Licht und Sehnsucht gemacht- schreibt Hikmet.
A ist da weitaus skeptischer. Gibt kein richtiges Leben im Falschen murmelt er. Die Frage nach dem richtigen Leben bleibt.

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Kanadagänse ziehen vom See herüber zum Futterplatz. Ich stehe an der Bushaltestelle und fröstle, während der Wind durch den Morgen tobt.
Wahrheit entsteht in der Zerrissenheit. Der Wind weiß das, zieht es aber vor zu ätzen. Grüne E- Scooter, ein Einbahnstraßenschild, nichts ist vor ihm sicher. Ein Ampel blinkt nervös in Gelb. Ich fahre zur Schicht, fröstelnd an der Bushaltestelle im Herbstwind, die Moralia in der Tasche.
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Der innere DJ legt dazu Musik aus einem untergegangenen Land auf.
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Der Engel der Geschichte fällt rückwärts- in die Zukunft- von wem ist das?
Ich folge den Pfaden Leskows, später lese ich über Walter Benjamins Erzähler. Darüber, dass der Tod das Ende eines Lebens markiert und es in die Geschichte einbettet. Es ist das zweite Mal, dass ich ein System zusammenbrechen sehe.
Vielleicht sehe ich auch Parallelen, wo keine sind.
Meiner jetzigen Lektüre liegt: “ Die Holländerinnen“ zugrunde. Ich lese nicht um zu entspannen.
Früher Morgen. Ich höre die H- Moll Messe. Bach zum Aufstehen. Koche Kaffee. Viel zu süß, viel zu bitter, schütte Backkakao in Haferflocken, füge Heidelbeeren hinzu.
Später.
Die Dohlen erzählen in den Bäumen, noch ist es nicht hell. Unter bunt belaubten Platanen führt der Weg. Sie ( die Platanen) funkeln im Licht der Straßenlaternen.
Zuhause haben Rotdrosseln übernommen, Nebel und Saatkrähen auch.
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Sind es apokalyptische Reiterinnen die in einer Straße New Yorks auftauchen? Warum haben sie ihre Gesichter verdeckt? Aschekreuze auf den Gesichtern alter Frauen, rebellische Mägde, ein Toter in der U- Bahn.
Penelope webt ihren Text und trennt ihn in der Nacht wieder auf.
Ich lese: “ Die Holländerinnen“ zum zweiten Mal. (Am Ende angelangt, sofort wieder an den Anfang gesprungen- wie vor einem Jahr mit den Projektoren)
Der Himmel wolkenverhangen. Kein Wind weht, kein Vogel singt.
Die Standuhr tickt, gleichmäßig und tief. – Die Menschen kehren ins zerbombte Gaza zurück. Trotzdem bekam Trump den Friedensnobelpreis nicht.
Die Bürgergeldempfänger sind entlarvt.
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Heute Morgen weckte mich das Licht, dass sich durch die Lamellen des Rollos schob und flüchtige Muster auf den Dielenboden malte.
In meinen Wollmantel gehüllt, ging ich auf den Balkon, um Merlin zu befragen. Klare, kühle Herbstluft, blauer Himmel. Wie ein nicht mehr erwartetes Wunder hatte sich das drückende Grau durch einen frischen Windstoß verflüchtigt.
Merlin meldete Wiesenpieper, Buchfink, Zaunkönig und noch sieben andere Arten.
Ich kehrte zurück in den Lesesessel, einen Tee, ein Toastbrot, ein Buch.
Noch immer las ich von Herzog: „Die Eroberung des Nutzlosen.“
Besonders beeindruckte mich diese Stelle: ein alter Mann lebte als einziger Überlebender auf einer kleinen Insel im Urwald.
Zweimal wöchentlich lieferte ihm ein Schiff Mehl und Zwiebeln. Irgendwann starb er.
Tage später fand man an seiner Angel einen großen Fisch.