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Der Zenit ist überschritten. Ich richte mich in Provisorien ein. Leidenschaftlich lesend, reisend, lebend.
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  • Am Meer

    Juni 30, 2025

    ———————

    Geppetta hatte zwei  Schiffe geschnitzt.

    Wir trugen die Nussschalen ans Meer und übergaben sie Thetis, der Göttin des Wandels.

    In mein Boot setzte ich einen hölzernen Pinguin.

    Geppetta bestückte ihr Gefährt mit einer Figur im Frack.

    „Was für Wogen!“, rief Geppetta, als sie eine Brise erwischte. Sand wirbelte auf.

    Der Pinguin klammerte sich an den Schiffsmast.

    Bald waren die Boote nur noch kleine Punkte im silberhellen Gefunkel. Sie trieben in gegensätzliche Richtungen davon.

    Geppetta schwieg, versank in ihren Gedanken.

    Dann  murmelte sie etwas von einer  Holzpuppe – Nase – Identität nicht geklärt – nicht zu klären –  Sommer’in vielleicht. 

    „Ist egal“, Geppetta, sagte ich schließlich und packte den Picknickkorb aus. Erdbeeren und Bitterschokolade, Holunderblütenbrause und Espresso. Wir sahen den Schiffchen hinterher.

    Ein warmer Tag. Sand zwischen den Fingern.

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  • Versuch über Joana

    Juni 22, 2025

    Eine Menschenmenge schob sich durch die Holstenstraße. Es roch nach Pommes und schalem Bier.

    Auf dem Platz hatte sich eine Traube gebildet.

    Joana, weiße Strähnen im Haar. Tango. Erst erschienen mir ihre Bewegungen geschmeidig, leicht behend, verspielt. Wie eine Spinne die ihre Beute einwickelt, dachte ich. Ihren Tanzpartner nahm ich kaum wahr.

    Joana lächelte ihr in sich gekehrtes Lächeln, in dem Schwermut lag oder Nichtdazugehörigkeit.

    Einmal hielt sie kurz inne. Atemlos rang sie nach Luft, hielt sich das Knie, tanzte aber weiter. Der Tango, es war Piazzolla der lief, nahm etwas raubtierhaftes an.

    Joanas Patagonia Rucksack lag im Staub – ein Stück entfernt. Tiefrot, verziert mit einer Weinrebe. Sie hatte ihn sich im Maipo Tal in Chile anfertigen lassen.

    Die Träume gehören mir, hatte sie gesagt, alle Träume gehören mir. Ihre Stimme tief, warm und rauchig. Sie wirkte verloren und dann auch wieder nicht. Wenn sie über Chile, den Anbau des Weines, die Bedingungen die es brauchte um einen wirklich guten Wein zu kreieren, sprach, dann wirkte sie gegenwärtig, in ihrem Element.

    Auf dem Gehsteig saß einer zusammengesunken auf einer alten Decke. Er streckte die Hand aus: „

    Ich hatte mir angewöhnt 50 Cent Stücke in meiner Tasche zu sammeln. Meine Nachbarin händelte es so, gab jedem Bedürftigen an dem sie vorbeikam 50 Cent. So lange der Vorrat reichte.

    Ich legte die 50 Cent in seine Plastikschale.

    Schweigend ging ich zur Bushaltestelle. Ich meinte Joanas flackernden, spöttischen Blick in meinem Rücken zu spüren. Ein Ladenfenster warf mein Bild zurück. Ich richtete mich auf, zog die Schultern nach hinten.

    Klare Nachtluft. Neonlicht auch jetzt. Kein Licht was man mögen kann. Es beleuchtet alles, auch das was du lieber nicht im Licht sehen willst.

    Der Wind wirbelte Asche aus den Ritzen des Bordsteins. Sie tanzten im Luftzug der Leere.

    ———

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  • Für Thetis

    Juni 1, 2025

    Ein Fluss inmitten einer Stadt. Nicht Rhein, nicht Neckar und auch die Saale ist es nicht gewesen.

    Ich habe Thetis ihr Haar auswringen sehen. Salziges Flusswasser.

    Sie rief nach Achill. Während sie an der Böschung stand wechselte sie ihre Gestalt. War zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig , achtzig Jahre alt.

    Thetis die silberflüssige. Die den Spuren ihres Sohnes und ihrer Töchter folgt in Sorge. Achilles. Geh nicht.

    Regen fällt. Noch immer schwer vom Duft des Flieders mischt er sich in das Concerto Grosso H Moll.

    Ich rühre Fürbitten in den Holundersirup, für Thetis an den Ufern.

    Eine Amsel singt. Ich nenne sie Beckett.

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  • Jagoda Marinic im Gespräch mit Anselm Grün

    Mai 31, 2025

    https://www.ardaudiothek.de/sendung/freiheit-deluxe-mit-jagoda-marinic/88868694/

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  • Mai 30, 2025

    Der Wind flaniert durch die Innenstadt, mit wehenden Mantel.

    Ein Hempels fliegt mir vor die Füße und weißer Blütenregen. Ich hebe die Obdachlosenzeitung auf. „Sie können gern mehr geben.“ Augen grau wie die See. “ Meine Katze ist krank.“

    Ich greife etwas tiefer in die Tasche.

    Eine Straße weiter links, einer in meinem Alter: barfuß, Rastazöpfe, Batikhosen. Aus welcher Zeit ist er gefallen?

    Noch eine Straße weiter: ein Bundeswehrplakat.

    Grigorij aus dem Stillen Don hebt den Kopf aus dem Schützengraben und fragt: für wen werden wir in den Krieg geschickt?

    Blütenbedeckte Wege.

    WordPress schreibt: dein Account wird stillgelegt. Für ein paar Tage. Ich weiß, sage ich. Ich weiß.

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  • Mai 27, 2025

    Wind im Flieder. Er pflückt sich eine der lilafarbenen, („helmbüschigen“) Blüten, die den Kopf neigen unter wolkenverhangenen Himmel.

    Dunkelgrün, fast schwarz wiegt sich die Fichte.

    Der Weidensänger im Duett mit einer Amsel. Sie singen von etwas das im Verborgenen ruht. Vom Schweigen an dessen Ufer sich blaue Frösche sammeln und Nilgänse ihre Jungen spazieren führen.

    Wind im Holunder. „Darf ich bitten Gnädigste.“ Er kennt die alte Percht. Besänftigt sie mit einem Tanz. „Ein kleiner Schutzzauber in diesen Zeiten.“ Der Wind, dieser Halunke verbeugt sich charmant pflückt sich luftleichte Blüten aus rosa und weiß.

    Duft verströmt sich in kühler Luft.

    Seerosen blühen.

    Die Wolken hängen sich tief in den Fluss. Regen fällt.

    Ich vermische Holunderblüten mit Wasser, Zucker und Limetten. Verberge das Gebräu in einer Schüssel, die ich mit einem Geschirrhandtuch bedecke. Zwei Mal am Tag rühre ich Lobpreisungen und Gebete hinein.

    In fünf Tagen werde ich Limonade mit der Percht trinken.

    Es ist immer noch Mai.

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  • “ Alexander Carmele: Rezension : “ Das Narrenschiff“ von Christoph Hein

    Mai 20, 2025

    https://wp.me/pdR3i0-2mJ

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  • Mai 15, 2025

    Die Abendsonne wirft flackernde Schatten über aquamaringrüne Wände. Ein Buchfink ruft.

    Im Narrenschiff von Christoph Hein wird 1961 beim Bau der Mauer zwischen Ost und West eine Schallwaffe gegen Demonstranten eingesetzt. Ich hatte geglaubt Serbien sei ein Novum.

    P. sammelt die Blüten des Taschentuchbaumes im Alten Botanischen Garten aus dem Gras.. Das Literaturhaus liegt in Stille.

    Wie Taubenflügel sagt P. Im Lebensmittelladen hole ich eine Zeitung um die Blüten in eine reisefertige Form zu bringen.

    Marina Weisband erklärt in einem Gespräch mit dem Spiegel, warum sie Selensky für einen Kriegspräsidenten hält. Ich mag ihre kluge, mal leise, mal temperamentvolle Art sehr.

    Der Taschentuchbaum symbolisiert Neubeginn und Hoffnung, Frieden und Trauer, lese ichspäter.

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  • Bienen wittern TNT -Montag im Mai

    Mai 12, 2025

    Was haben die Bienen mit der Geschichte Jugoslawiens zu tun?, frage ich in das Universum des Smartphoneinnenlebens.

    Nichts, aber sie können TNT wahrnehmen ,Landminen finden.

    https://m.focus.de/wissen/natur/tiere-und-pflanzen/sie-riechen-tnt-bienen-sollen-auf-dem-balkan-landminen-suchen_id_3867657.html

    Es ist der 12.Mai vormittags. Ich sitze im Bus und will wissen warum der alte Mann mit den gefärbten Brillengläsern gestern mit den Bienen sprach, später ein Lied sang. Ich dachte erst es sei Maikäfer flieg, es stellte sich aber als serbisches Kinderlied heraus. Er sagte in der Geschichte seines Landes hätten Bienen eine Rolle gespielt. Ich traute mich nicht nachzufragen, ob er mit Land – Serbien, Kroatien oder den ganzen Balkan meinte. ( Textstelle aus den Projektoren -Clemens Meyer verstoffwechselt)

    In der Stadt treffe ich D. auf einen Kaffee im Cafe. Hier lernte Yara damals schwimmen. Ich erinnere mich, wie ich in diesem Sommer 2002 Hals über Kopf Yara aus dem Schwimmkurs rufen musste. Anna wollte auf die Welt. In der Panik hatte ich den Fahrradschlossschlüssel von Yaras Fahrrad verloren. Ein Vater eines Kindes knackte das Schloss.

    Dreindzwanzig Jahre später gibt es hier Cappucino mit Hafermilch statt Chlorwasser und D.erklärt mir warum er glaubt, dass diese Regierung die Deutschen noch weiter in die Pfoten der Wölfe treiben wird.

    Die Schere geht weiter auf. Reiche werden reicher. Arme ärmer.

    Die Sonne scheint, ein kühler Wind weht durch Kastanien und Flieder.

    Ich verschütte Kaffee, wische mit einer Serviette über den Tisch, nehme die Serviette schnell weg. Man weiß nie für welche Narrative zerknüllte Servietten herhalten müssen..

    Stalins Verbrechen werden aufgedeckt. Man rechnet mit Unruhen in den Bruderländern. ( Das Narrenschiff Christoph Hein)

    Vier Monate ohne John. Ich denke kaum noch an ihn. Die Abende verbringe ich mit Cheescaketee.

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  • Stimmen

    Mai 9, 2025

    Auf dem Topčidersko brdo. Noble Gegend dieser Hügel. Es ist 09.00 Uhr. Blauer Himmel, der Wind trägt Federflaum mit sich, verblasst im grellen Sonnenlicht. Ein Lkw fährt in der Ebene.

    Was macht das Titodenkmal hier? Nein, nicht Tito – Wilhelm der 1.

    Marinehafen denke ich, Stahl.

    Kiel statt Belgrad. Ratsdienergarten. Der Lenz ist da, ruft Groth und irgendetwas auf Plattdeutsch, dessen ich nicht mächtig bin.

    Im botanischen Garten stehe ich unterm Taschentuchbaum und trockne mir mit den Hochblättern des Baumes die Tränen. „Ich wollte nach Belgrad“, seufze ich in einem Tonfall zwischen Zorn und Trauer. „Stattdessen hänge ich jetzt in Röhren ab, um mein Innenleben beleuchten zu lassen.“

    Ich laufe zur alten Mu. Ein Stadtgartenprojekt. Wildbienen im Raps. Merlin meldet : Rotkehlchen! Zaunkönig! Mauersegler!

    „Nationale Notlage!“ ruft Merz. “ Doch nicht!“, etwas später.

    Es ist nicht leicht unter einem solchen Kanzler Kaiser zu sein!, ruft Wilhelm der 1. vom Ratsdienergarten herüber.

    “ Solange man liebt murmelt Groth, “ ist das Leben liebenswert.“

    ————-

    Erklärung: ( Projektoren S.664) Der Topčidersko brdo kommt in den Projektoren vor. In einem Flashback sieht der Mann den sie mal Cowboy nannten seine Verbannung wieder vor sich. bzw. durchlebt sie in der Erinnerung erneut. Er sieht in Sequenzen den Lastwagen vor sich, sieht sich selbst auf ihm durch eine Plane schauend, Abschied nehmend im Vorbeifahren. Den Topčidersko brdo, Belgrad wird er vorerst nicht mehr betreten dürfen. Der Cowboy ist mit dem System aneinandergeraten: “ Bleibe den Städten fern.“ Verbannung ins Velebitgebirge.

    Ich hätte eigentlich Urlaub, hatte bereits mit Supersparpreis Budapest gebucht, um mit dem Bus weiter nach Serbien zu fahren und dort die Straßen Belgrads abzugehen.

    ich werde diese Schulterlitanei nicht noch einmal herunterleiern. Zeit habe ich, Bewegungsfreiheit ist eingegrenzt.

    Auf Google Maps flaniere ich durch Belgrads Straßen. Immerhin

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