Den Hokkaido zerteile ich, füge Anis, Kurkuma, Lorbeer hinzu, später noch Honig und Apfel, währen die Kartoffeln bei 100 Grad im Ofen garen, nebenbei höre ich

Proust. Ich mag die Stimme Albertines nicht. Sie ist mir zu unterwürfig. Irgendwo habe ich gelesen, dass man Proust nicht psychologisieren sollte. Ich kann gar nicht anders, als es psychologisch zu betrachten, weil die Liebesbeziehungen und Verehrungen immer ins Wahnhafte abgleiten. Immer ist da die Suche nach Symbiose, jedenfalls verstehe ich es so. Marcel hält Albertine hin, sagt ihr er sei in Andree ihre Freundin verliebt und ja fast hätte er auch mal sie geliebt-Albertine, aber nun nicht mehr. Er genießt darauf hin, dass er nun wesentlich unbefangener mit Albertine umgehen kann, deren Verwandlung vom wilden Kätzchen zur gefügigen jungen Dame vollzogen ist. Es sind diese Stellen, die ich nicht verstehe. so wie er sich hier über Albertine äußert, so äußert er sich über Charlus oder Bloch-abfällig. (satirisch, ironisch, überspitzt.)

Langer Spaziergang am Fluss entlang, Sonne, Wind, Regen und Regenbogen, die Libellen fliegen noch immer.

Wieder zurück zu Hause, bollert der Ofen, es riecht nach Lavendel und Thymian. D. hat Klösse selbst gemacht. Ich weiß jetzt wer das Weihnachtsessen kochen wird. T. schleppt Körbe voller Holz herbei.

Der Hund sieht die Klöße auf dem Tisch, sieht mich versunken in Proust, springt mit den Vorderpfoten auf den Tisch, holt sich den Kloß.

Posted in

10 Antworten zu „Proust lesen Tag 123-Sodom und Gomorrha-Albertine“

  1. Avatar von Arno von Rosen

    Ein kuscheliger Tag in der Küche, herrlich 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Avatar von arnoldnuremberg

    „Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
    Die hat einen Andern erwählt;
    Der Andre liebt eine Andre,
    Und hat sich mit dieser vermählt.

    Das Mädchen heiratet aus Ärger
    Den ersten besten Mann,
    Der ihr in den Weg gelaufen;
    Der Jüngling ist übel dran.

    Es ist eine alte Geschichte,
    Doch bleibt sie immer neu;
    Und wem sie just passieret,
    Dem bricht das Herz entzwei.“

    Dies Gedicht von Heinrich Heine sagte heute ein junger Zuwanderer auf beim Friedensgebet in Sankt Jakob, Nürnberg. Draußen Pegida-Leute und Gegendemonstranten.

    Gute Wünsche, viele Grüße

    Gefällt 3 Personen

    1. Avatar von Xeniana

      Man kommt nicht umhin das Gefühl zu haben, dass alles sich wiederholt.

      Gefällt 2 Personen

  3. Avatar von Geschichten und Meer
    Geschichten und Meer

    Deshalb mag ich keine Hörbücher: eine unpassende oder auch mir nur unsympathische Stimme kann mir das ganze Buch verleiden.

    Gefällt 1 Person

    1. Avatar von Xeniana

      Geht mir leider ähnlich, dabei haben Hörbücher eine durchaus praktische Seite. Aber ich schätze an Büchern eben auch. Dass man sich seine eigenen Bilder macht inklusive der Akustik

      Gefällt 1 Person

  4. Avatar von gkazakou

    Zu „jüdischem Sein“ und „Homosexualitä“. Grad gestern dachte ich darüber nach, wieso daraus immer ein Thema gemacht wird. Fragt mich etwa jemand, ob ich zu meinem „arischen Sein und meiner Heterosexualität“ Zugang gefunden habe? Ich meine das jetzt nicht als Kritik an dir, sondern merke es nur verwundernd an.

    Gefällt 1 Person

    1. Avatar von Xeniana

      Auch wenns Kritik an mir wäre, wärs nicht schlimm. Ich finde es schon befremdlich wie verzerrt Charlus und Bloch dargestellt werden-zum Beispiel. Und ich finde schon, dass das dann Thema ist. Zumal es vermutlich lnicht leicht war in dieser Zeit homosexuell zu sein. Ich frage mich immer wieder ob es reine Dokumentation des Zeitgeistes ist, oder der Kampf gegen Anteile mit denen man es schwer hat. Beantwortest du mir die Frage nach der Intelligenz noch?

      Like

      1. Avatar von gkazakou

        Wie war doch gleich die Frage?

        Like

      2. Avatar von Xeniana

        Du hast geschrieben: Proust ist intelligenter, er spricht das Denken an.

        Like

Hinterlasse eine Antwort zu Geschichten und Meer Antwort abbrechen