Laufe mit ihr  die Treppen eines Hochhauses in Budapest empor. Oben ist eine Dachterrasse, dort kann man schlafen.

Das Budget des Zwangsumtausches erlaubt nur eines, wenn man länger als ein paar Tage bleiben will. Essen oder schlafen.

Ich erzähle, dass in naher Zukunft hier an der Zugligetkirche ein Auffanglager sein wird. Und dass sie Geld von der Botschaft bekommen wird, um die Zeit des Wartens überbrücken zu können.

Mit dem Geld wird sie endlich Fischsuppe in Tihany essen.

Jetzt reicht das Geld nur für Brot und Knoblauch. Knoblauch gibt es im Land des eisernen Ikarus nicht.

Sie wird Espresso trinken, so viel sie mag, im Gellertbad schwimmen, Schmuck in den kleinen Privatläden kaufen.

Sie wird diese Freiheit bezahlen, das verschweige ich ihr.

Budapest 86

                   89

              2024

Lese Kairos – Jenny Erpenbeck

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