Ich weiß nicht, warum ich in den letzten Tagen so oft an den Eklat der Buchpreisverleihung 2024 denke.

Vielleicht, weil ich Die Projektoren zum dritten Mal lese und jedes Mal ein anderes Buch in den Händen halte. ( Der Satz stammt sinngemäß von der (Mützenfalterin)

Proust sagt, der Leser sei immer auch Leser seiner selbst. Dasselbe Buch könne ein Jahr später, für den Leser ein völlig anderes sein.

Als ich das Buch das erste Mal las- fiebernd, in Corona -Nächten und im Leserausch, traf es mich wie ein Weckruf.

Eine Initialzündung.

Es erstaunte mich- was dieses Buch wagte.

“ Neuerdings“, hatte ich zu Lara gesagt, “ verliebe ich mich in Bücher“ und spöttisch hinzugesetzt: “  Eine sichere Angelegenheit.“

Doch schon beim Lesen begriff ich: Sicher war hier gar nichts. Außer diesem krassen Können.

Das Buch veränderte mich. Es faszinierte mch in der Art wie es wagte und gleichsam nicht anders zu können schien.

Clemens Meyer schien fūr dieses Buch seine Existenz in die Waagschale geworfen zu haben.

Ein Autor, der sich den Wirren der Jugoslawienkriege  radikal stellte und den Blick hielt. Mit seiner erzählerischen Intensität umkreiste er die Erschütterungen der Kriege des 20. Jahrhunderts. Ohne Schutzschild und dadurch so nahbar.

Kein Ausweichen am Rand des Abgrunds. Verbunden mit dieser virtuosen Fähigkeit des Schreibens

Die Jury des Deutschen Buchpreises 2024 prämierte das, was sie für richtig hielt.

Manchmal frage ich mich, was gewesen wäre,

wenn mehr Markt, mehr Stromlinienförmigkeit, mehr Zähmung gewesen wäre.

Vielleicht wäre es das Buch des Jahres geworden, ob es die Glut behalten hätte, ist fraglich.

Denn es stellt die brennenden Fragen. Wo beginnt die Vergiftung? Was führt zum Nationalismus, zum Krieg?  Was macht den Menschen verführbar- und warum?

Kein bequemes Buch. Aber eines, dem ich wünsche, dass bleiben wird.

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Ich starte auf verbrannter Erde.

Der Bundestag hat vor einigen Minuten das Gesetz zur Modernisierung der Wehrpflicht verabschiedet.

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Lex zündet ein Streichholz an.

“ dunklere Berge, menschenleer,  Wälder an den Hängen bis in die Täler hinein, feuchter Nebel, den ein Wolf trinkt, einatmet, ausatmet, weiß schimmernde Tropfen hängen an seinen Lefzen, die Wölfe kehren zurück in die alten Wälder, die Berge, überqueren die Grenze, die unsichtbar ist, nur hin und wieder Reste von Zäunen zwischen den Bäumen, Tränen weiß schimmernde, die Grenze, die abgetragen wurde, ein anderes Jahrhundert…“

Zitat “ Die Projektoren“  S. 11

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2 Antworten zu „-1-“

  1. Avatar von geschichtenundmeer

    Meiner Erfahrung nach stimmt es tatsächlich, dass man Bücher Jahre später völlig anders liest. Als Teenie habe ich die Klassiker verschlungen, weil sie eben bei meinen Großtanten herumstanden. Verstanden habe ich sie damals nur zur Hälfte, wenn überhaupt. Ich möchte sie wieder lesen, aber: so viele Bücher, so wenig Zeit.

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    1. Avatar von Xeniana

      Ich teile deine Erfahrung. Franziska Linkerhand war bei mir so ein Buch, dass ich viel zu früh las . Und dann immer wieder. Man geht mit anderen Erfahrungen in das Lesen und verknüpft es anders.

      Gefällt 2 Personen

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