Auf Anraten des Anwalts..
Über den Fahrradweg schieben sich weiße Flocken.
Wanderdünen aus Schaum.
Pappelschnee.
Ein Bild taucht auf. Wir schlendern über die Peißnitzinsel. Susa erzählt von ihrer Ausbildung die beginnen wird.
Es ist 1986.
Pappelschnee weht an der Aue entlang. Am Kulturhaus Fritz Weineck holen wir uns Eis.
Die Pioniereisenbahn rattert vorbei. Ich nannte sie lange Pulmuniereisenbahn- eine kindliche, versehentliche Wortschöpfung aus der Bezeichnung der stetig verabreichten Bronchien Salbe Pulmutin. Giftige Schwaden aus Leuna und Buna.
Die Peißnitzinsel liegt zwischen der alten und der neuen Stadt.Die neue Stadt ohne Vergangenheit.
Ein Auto der Müllabfuhr holt mich aus meinen Gedanken. Ein Kind – vermutlich noch keine vier Jahre alt steht in einer überdimensionierten Sicherheitsweste aus leuchtendem orange und hilft beim Schieben der Tonne.
Auf der Peißnitzinsel weht der Junischnee.
Hohe Bäume, flirrende Blätter.
Wohnung- bekommst du nur durch Schwangerschaft sagt Susa lachend oder du ziehst in eine der leerstehenden Altbauwohnungen.
(In drei Jahren werde ich um diese Zeit planen nach Ungarn zu fahren um nicht wiederzukommen.)
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Auf Anraten des Anwalts( nach drei Verhören) Überwechslung in die DDR.
(Vielleicht waren es die Volksbefragungen gegen Remilitarisierung die zu Verhören und Strafandrohungen führten.)
Was in einem Teil des Landes als Volksverhetzung und staatsfeindlich galt ist im anderen Teil Deutschlands auf dem Weg Massenorganisation zu werden.
Ich erinnere mich an gemurmelte Freundschaftsbekundungen beim Fahnenappell.
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Zuhause greife ich zu Proust- wann entwickelt sich etwas wirklich Neues, wann wird es stattdessen zur ausgehöhlten Kopie.
Cottard im Admiralskostüm, Madame Verdurin – die ihrem Egoismus frönt, es bleibt stecken, verwandelt sich nicht, entwickelt sich nicht weiter.
Ich lese bis tief in die Nacht.
Und später greife ich noch einmal zu deiner Akte. Vierundzwanzig Jahre bist du gewesen- als du dein ganzes Leben in die Waagschale warst – für eine Idee- einen Traum.
Als ich dir begegnete warst du Mitte dreißig und mein Vater. Einer der saure Krumbeerebrüh kochte und Pete Seeger und Harry Belafonte hörte, der erzählte vom Pfälzer Wald und der Mandelblüte.