Projektionen- Charlus- Die wiedergefundene Zeit S.122-123


„In solchen Fällen bedauert man eher die, die man nicht kennt, die man sich nur vorstellt, als diejenigen die ganz dicht neben einem dahinexistieren“

Das Nicht Zu Ende Geborene, das nicht Zugehörige wirft seine Projektionen an jede Leinwand die sich bietet, sagt C.

Und setzt hinzu: Patriotismus ist Heimat, bietet Gefäß-man ist für oder gegen etwas- Charlus aber stellt sich zunächst darüber- er dekonstruiert den Patriotismus fast auf theweleitsche Lesart und sieht nicht- dass er selbst dem Hass, dem Fanatismus anheim fällt. Nicht dauerhaft, es entzündet sich an diesen oder jenen Projektionen.

Auch Charlus spaltet in seiner Beobachtung die Menschen in französische und deutsche Dummköpfe. Seine Überspannung aus Rastlosikeit, nicht beheimatet , nicht zugehörig sein-ist die gefährlichere Form, weil sie ihr Gefäß nicht findet.

Charlus misstraut Bindungen im Großen wie im Kleinen. Er ordnet sich keiner Gruppe zu und er vermeidet Bindung in Beziehungen. Er projiziert.

Alle projizieren,



Mit dem Fahrrad in die Stadt. Pappelschnee der heute am Wegrand liegt, als wäre er nie aufgeladen gewesen mit Bildern von FDJ und Fahnenappell, Fluchtbewegungen, Idealen, Gegenentwürfen und Desillusionierungen.

Heute ist es einfach nur Pappelschnee, der am Wegrand liegt. Er gehört sich selbst. Mauersegler mit heiserem Zirpen, Ballons frei schwebend am sommerblauen Himmel. Kornblumen und Wildrosen. Duft von gemähten Gras.

Wenn du Charlus umschreiben würdest, nicht als Antipode von Marcel, sondern als sich zu Ende gebärender-welches Heilmittel würdest du ihm an die Hand geben.?

Die Kunst.

Die Kunst? Nicht Bindung?

Nein, sagt C. ich würde Charlus das Lesen seiner Selbst an die Hand geben- das mit sich selbst in Beziehung treten in einer radikalen Form des Hinterfragens, des demaskierens.

Und dann? Also was ist die Schlußfolgerung?


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