Rhetorik- Die wiedergefundene Zeit- Marinehafen- Assoziationen- „in den Bergen am nächtlichen Feuer- steht Salka ..“


Es beginnt immer mit Selbstlosigkeit, sagt C, dann Moralität und dann Erpressung für das Gute das Schöne. der: Wer nicht für uns ist -ist gegen uns.  Kriegsrhetorik.

Norpois im Gespräch mit Charlus.

“ Schon erbebt das gehetzte Germanien in namenlosen Entsetzen unter dem Hufschlag der russischen Reiter.“

Die Bedrohung ist real sagt C, der Drang zur Eile nicht. Das Bedrohungsszenario wird genutzt um Gelder umzuverteilen- der Feind wird erotisiert ( bei Proust) und dämonisiert. “ Angst als Brennstoff.

Worte steigen auf

Ich deklamiere:  „In den Bergen am nächtlichen Feuer- steht Salka der Kämpfer und wacht. Am Himmel leuchten die Sterne und kühl ist die spanische Nacht.“

Wo hast du das denn her?, fragt C.

Gestern Abend, sage ich, fuhren wir mit dem Fahrrad an der Kiellinie entlang. Der Marinehafen lag unter einem roten Himmel. Blutrot. Von den Plakaten schauten diese abenteuerfreudigen Männer und Frauen.  Mein innerer DJ legte Lieder aus der Kindheit auf: “ Soldaten sind vorbei marschiert im gleichen Schritt und Tritt. wir Pioniere kennen sie und laufen fröhlich mit Juchhei. “ Alles in Dur. Blitze tauchten das Gewitter rot in grelles Licht. Sturmböen. 

Am Morgen erwachte ich vom Donner. Richtige Einschläge, später prasselte Regen. In der Zeitung las ich, dass Amerika sich freut den Erdrosselungspunkt bei Cuba gefunden zu haben. Dieses Vernichten der Möglichkeiten.

“ Es prasselt das Feuer am Wasser. Die Soldaten ruhen im Staub. Es raschelt der spanische Lorbeer wie schweres und üppiges Laub.“

C.fragt noch mal- wo hast du das her. ?

Weiß nicht,- sind so Kindheitserinnerungen. sage ich- kann ich alles noch auswendig:

„Und plötzlich scheint es dem Helden, als wär dies sein Ungarland, als hört er das Rauschen der Linden, als wär ihm die Nacht so bekannt.“


5 Kommentare zu “Rhetorik- Die wiedergefundene Zeit- Marinehafen- Assoziationen- „in den Bergen am nächtlichen Feuer- steht Salka ..“”

  1. Vielen Dank für Ihren nachdenklichen Kommentar. Die Geschichte Ostdeutschlands, die Erfahrungen vieler Menschen mit der DDR und die Beziehungen zur Sowjetunion bzw. zu Russland prägen bis heute unterschiedliche Sichtweisen. Gleichzeitig zeigen historische und politikwissenschaftliche Forschungen, dass die Stärke der AfD auf ein komplexes Zusammenspiel aus wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Faktoren zurückzuführen ist. Umso wichtiger erscheint mir ein respektvoller, faktenbasierter Dialog, der historische Erfahrungen ernst nimmt, ohne sie zu vereinfachen oder neue Feindbilder entstehen zu lassen.

  2. Danke für diesen anregenden Beitrag. Die Verbindung von Prousts Reflexionen über Kriegsrhetorik mit persönlichen Kindheitserinnerungen zeigt eindrücklich, wie Sprache, Musik und Bilder über Generationen nachwirken. Gerade die Assoziationen zum Marinehafen und zu alten Liedern machen deutlich, dass Erinnerung nie nur privat, sondern auch historisch und politisch geprägt ist. Zugleich erinnert der Text daran, Bedrohungsnarrative und ihre rhetorische Kraft kritisch zu hinterfragen, ohne reale Gefahren zu leugnen. Ein nachdenklicher Impuls über Erinnerung, Macht der Sprache und die Verantwortung, Geschichte differenziert zu betrachten.

  3. Ich glaube, auch das ist einer von mehreren Gründen, warum die AfD in Ostdeutschland so stark ist. Das Feindbild auf ein Land, mit dem man Jahrzehnte lang freundschaftlich verbunden war, wenn auch nicht frei und willig. Derzeit bestimmen einerseits die Gier auf grenzenlose „Westerweiterung“ und andererseits die Angst vor den daraus möglicherweise entstehnden Konsequenzen das Fühlen und Denken.

  4. Ja. Manchmal erinnere ich mich, dass es Schutz ist – aber ich sehe diese Remilitarisierung Deutschlands als sehr schwierig an.

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