Paris 1916
„…da der Mangel an Kohle und Licht die Empfänge der Verdurins in der sehr feuchten
früheren Behausung der venezianischen Gesandten erschwerte“, verlegt man den Schauplatz des verdurinschen Salons in ein großes Pariser Hotel. Der Salon floriert. Jeden Mittwoch
oder fast jeden Tag, werden auf vor weiß blitzenden Wänden die – „interessantesten, verschiedenartigsten Männer und elegantesten Frauen projiziert.“
Der Wandel der Gesellschaft im Salon: Einfachheit anstelle von Ästhetizismus, Kriegsgarderobe statt Luxus.
Es darf dazugehòren, wer zuvor undenkbar gewesen wäre ( – Hauptsache man hofiert Madame Verdurin -).
Man kommt zusammen um Kriegsnachrichten zu kommentieren, Morel, der desertiert ist, zuzuhören.
Marcel trifft auf Andree,
eine ehemalige Freundin Albertines.
Ich denke nicht mehr an Albertine, versichert er.
Oder nur in der Art, wie man an ein Gleis denkt, das in ein Brachgelände führt.
Spione im Salon.
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Zu Besuch bei Lara ( – Geburtstagsfeier): anders als früher wird auch hier Politik kommentiert.
Das Lobbyisten – Kabinett von Merz, mit dem Kulturminister – von dem nichts Gutes zu erwarten ist, ist Thema.
(,“Das Nationale stärken“ – lässt vermuten, dass ein Verlag wie Antaios demnächst mit öffentlichen Geldern gefördert wird.)
Die Anreize zum Dienst bei der Bundeswehr werden ebenso diskutiert, wie der Ausspruch des Bundeskanzlers: „Fliegen solle wieder erschwinglich werden.“
“ Sag mal“, fragt Lara, “ hast du diesen Satz von Merz gehört, dem mit dem anderen Selbstbewusstsein als Mann?“
Ich hatte gerade das Hemd meines Nachbarn gebügelt, als ich das im Radio hörte. Das Hemd hat leider ein Brandloch jetzt.
Respekt hin oder her ( frauengegenmerz -insta)
Und was sagst du zu diesem Skandal mit der Richterin Brosius – Gersdorf? Sina schneidet Erdbeeren für einen Salat in hauchdünne Scheiben.
Ich lese gerade ein Buch, da kommt dieser Typ drin vor, der als Spion verunglimpft wurde. Pro Dreyfus und contra Dreyfus wurde zum Kriterium, ob du bei bei einer Geburtstagsfeier auf der Gästeliste standest oder nicht.
Im Wohnzimmer wird Lina laut, ich verstehe dass es um Gaza geht. Rania sagt, sie verstünde nicht warum keine Blauhelme reingeschickt würden in dieses Freiluftgefängnis.
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Es ist Sonntag. Ich höre einen Podcast der Zeit: “ Irma. Das Kind aus Srebrenica.“
“ Werden uns Blauhelme beschützen können?“, fragt die bosnische Ärztin einen UN Soldaten. Die Serben sind bereits in der Stadt. “ Not sure“, antwortet der Holländer.
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Graugänse ziehen in Scharen morgens und abends vom See über das Dach des Hauses, in dem ich wohne. Warum sie bei Einbruch der Dunkelheit vom See wegfliegen erschließt sich mir nicht.
Vielleicht fliegen sie von einem Uferrand zum anderen, so wie ich kleine rote Stühle von einem Rand zum anderen trage.
Ich nehme mir vor ab jetzt jeden Tage eine positive und eine lustige Sequenz zu notieren.
Es ist Sonntag, und Deutschlands Urlauber trotzen dem Regen mit einem Lächeln – in Sylt und an anderen Stränden Deutschlands.
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